Ursprünglich hatte ich für meinen Auslandsstudium ganz Skandinavien im Auge. Nach einem Blick auf die Liste der kooperierenden Unis kristallisierte sich dann Linköping heraus. Unsere elekrotechnische Fakultät kooperiert über das ERASMUS-Programm mit derselben in Linköping. Im Nachhinein wurde mir noch erklärt, dass ich auch an jeden beliebigen Ort hätte gehen können, mit dem irgendeine Fakultät kooperiert - immer vorausgesetzt es gibt nicht zu viele Bewerber.
Im Oktober 2005 ließ ich mich bereits auf die Warteliste für Linköping setzen. Im April 2006 bekam ich Nachricht, dass ich der einzige Bewerber auf der Liste sei. Somit war mein Studienplatz so gut wie sicher. Die Bewerbung an sich ist nicht wirklich aufwändig. Man benötigt eine Liste aller erhaltenen Scheine (Transcript of Records) und ein Passfoto. Dann füllt man die üblichen Fragebögen aus und gibt an welche Vorlesungen man während des Aufenthaltes hören will. Außerdem bewirbt man sich für einen Platz im Wohnheim - ähemm... siehe unten.
Alles schien wie am Schnürchen zu laufen, Anfang Juni kamen diverse Informations-Emails, Mitte Juni der "Letter of Admission" und anderer Papierkram wovon noch ein paar Seiten unterschrieben zurückgesendet werden mussten. In einer Checkliste standen weitere Schritte die es zu unternehmen galt. Unter anderem die Bezahlung der Kaution für die Wohnung im Studentenwohnheim. Aber auf welches Konto? Tja, da war wohl etwas im Büro verschimmelt, denn weder hatte ich eine Absage für meine Wohnung, noch eine Zusage mit Kontonummer. Ein kurzer Anruf bestätigte den Verdacht... "You never applied for a corridor room".
Jetzt war es Ende Juni und ich hatte keine Wohnung. Zum Glück hatte ein paar Tage vorher ein kanadischer Student ein Forum für uns eingerichtet. Dort fanden sich noch andere obdachlose und ich fing an Leute für eine WG anzuwerben. Ende Juli, nach ca. 10 Telefonaten und 50 Emails war unsere 100m Wohnung dann endlich wasserdicht gemietet. Meine Mitbewohner sind 2 Franzosen, Remy und Pierre, die ebenfalls auf der technischen Fakultät studieren.
Am 2. August kam dann Nachricht von Remy, er hatte die Wohnungsschlüssel erhalten und saß in der Wohnung - vorerst ohne Strom und Internet. Am 9. August schrieb ich meine letzte Prüfung und feierte eine kleine Abschiedsparty, am 10. zog ich aus der WG Daimlerstraße aus und machte mein Reisegepäck fertig - eine tagesfüllende Arbeit die bis in die Nacht andauerte.
Am 11. August ging es morgens um 6 Uhr los. Ich holte Kai zuhause ab und wir fuhren los Richtung Hannover um den dritten Mitreisenden, Daniel, abzuholen. Der bekam sein Gepäck noch gerade so in die letzten Lücken. Wir fuhren weiter nach Heiligenhafen um Manuel zu besuchen. Anschließend gings auf die Fähre Puttgarden - Rodby. Waren wir bis jetzt mit einigermaßen schwerem Gasfuß gefahren ging es nun in Dänemark ruhiger zur Sache. Bei 70 km/h auf einer Landstraße wollten die Kilometer einfach nicht hochzählen.
In Schweden folgte ich einfach schwedischen Autos die es mit der Höchstgeschwindigkeit nicht so genau nahmen. So kamen wir nachts um 1 Uhr bei meiner Wohnsiedlung an - zunächst an der falschen Wohnung, eine halbe Stunde später an der richtigen. Einen Schlüssel hatte ich nicht und Remy war nicht da. Von der 19 stündigen Reise doch etwas ermüdet legten wir uns kurzerhand mit der Luftmatraze ins Treppenhaus. Kai baute sich im nach wie vor vollgepackten Auto ein Bett. 2 Stunden später tauchte Remy dann doch auf und wir zogen in die Wohnung um.