Jedenfalls hatte ich es seit meiner Ankunft hauptsächlich mit Deutschen, Franzosen, Spaniern, Italiernern, Leuten aus aller Welt halt, zu tun. Es gibt einfach soviel Originale hier - herrlich. Bei geschätzten 700 Austauschstudenten weiß man allerdings garnicht wo man sich hinwenden soll. Ich kenne jetzt jedenfalls eine Hand voll Leuts ganz gut, viele flüchtig und die meisten vermutlich garnicht.
Aber Moment: wo bin ich hier? Richtig, Schweden. Aber wo sind DIE Schweden? Erste Kennenlernversuche führten mich angetrunken in den Keller des HG - dem hiesigen Studentenpub. Dort eben an einen Tisch gesetzt und die Leute angelabert - oh Wunder, es waren echte Schweden. War jedenfalls echt lustig sich mit ihnen zu unterhalten. Nur leider macht der Laden um 3 Uhr zu und meine Schweden (Ida, Isis, Peter, *denk*... nee mehr Namen weiß ich nicht mehr) wollten dann nach hause - und wurden nie wieder gesehen. Naja, genieße den Augenblick ist wohl der einzige Spruch der da weiter hilft.Sehr kontaktfreudig zeigen sich die Peer-Students. Also schwedische Studenten, die den ausländischen Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Leider gibt es davon in der Regel weniger als nötig und so habe ich keinen abbekommen. Der geneigte Peer-Student zeigt sich jedenfalls auch auf den "Austausch-Partys", sehr cool. Aber auch diese Species traf ich in der Regel nur einmal - was natürlich auch an meiner Bequemlichkeit liegen könnte. Will heißen, man sieht mich nur auf einem Bruchteil der Partys.
Fast schon nachhaltigen Kontakt konnte ich dann auf einem Hike in der Nähe von Norrköping knüpfen. Derselbe war von der Studentenorganisation "Vild" organisiert - und ich war der einzige Ausländer. Ein ungewohntes Verhältnis. Das gute daran: solche Hikes finden alle paar Wochen statt und so hat man gute Chancen, die Leute auch mal wieder zu sehen. Außerdem kann man sich ungestört unterhalten, ohne dass einem der zweifelhafte schwedische Musikmix im Hintergrund (ich meine im HG) die Verständigung erschwert.
Für mich natürlich immer ein wichtiges Thema. Fangen wir doch mal mit dem besten an: der Internetanschluss. Eigentlich fing es damit garnicht gut an, wir mussten nämlich über einen Monat warten, bis er endlich freigeschaltet wurde. Davon abgesehen ist es ein 10MBit Ethernet-Anschluss, meines Wissens über Glasfaser bis zum Haus. Das heißt kein Modem sondern einfach Netzwerkkabel dran und los gehts. Die Geschwindigkeit ist gut, mit max. 800 kb/s erreicht man zwar die 10 MBit Grenze nicht, aber dafür gibt es diese Geschwindigkeit in beide Richtungen. Will heißen: "Die 800MB Bilder der letzten Wochen? zieh se dir grad von meiner Kiste". Das werde ich bei ADSL auf jeden fall missen. Kosten tut das ganze ca. 25 Euro im Monat.
Dann wäre noch das Stromnetz zu erwähnen. Eigentlich nicht besonders rühmlich hier, kein Erdungsanschluss an Steckdosen, so dass es schon mal kribbelt, wenn man gleichzeitig an Rechner und Heizung fasst. Aber gut, dann ist da noch der Strompreis: 2c pro kWh. Na, klingelts? Genau! 15-20c zahlt man dafür bei uns. Ist aber alles fair kalkuliert, gell.
Im Gegensatz zu uns sind die meisten Schweden überzeugte Benzinfahrer. Das liegt wohl auch daran, dass Benzin und Diesel ca. gleich viel kosten: um die 10 Kronen (ca. 1,10 Eur). Die Motorisierungen der Volvo und Saab können durchaus beeindrucken: viele Benzinturbos mit Leistungen jenseits von 150PS fahren herum. Fragt sich nur, was der Schwede mit soviel Leistung überhaupt anstellen will - der Führerschein ist bei 30 Sachen zuviel nämlich weg, darunter kostets mindestens soviel wie 2 Tankfüllungen. 2.400 Kronen "Straszlig;ensteuer" habe ich schon liegen lassen - wegen 16km/h...
Auch hier gibt es aus meiner Sicht viel positives zu berichten. Die Vorlesungen sind nicht dermaßen mit Theorie zugepackt wie bei uns. Stattdessen werden viele Zusammenhänge anschaulich, aber dennoch abstrakt genug, erklärt und an Beispielen erläutert. Das gelernte wendet man in den sogenannten "Lab assignments" an. In Gruppenarbeit haben wir bis jetzt ein Netzwerkprotokoll (ähnlich TCP) entwickelt, die "Brianair"-Datenbank (Flüge buchen und so) entworfen und implementiert und u.a. das Memory Managment eines Betriebssystems programmiert. Das ist zwar alles viel Arbeit und man sitzt viele Stunden daran, aber danach hatte ich immer das gewisse Gefühl, etwas gelernt zu haben.
Weiterhin ist die Uni generell hochwertig ausgerüstet und alles wirkt modern.
Schweden ist ein schönes flaches Land. Hauptsächlich Wald, Wiese und Seen. Und es finden sich sehr oft große, glatte Granitsteine, auf denen man rumklettern oder rumsitzen und grillen kann. Schon in Südschweden findet man recht große unbesiedelte Flächen wo nur ab und zu mal ein rotes Sommerhaus rumsteht. Alles nicht besonders spektakulär aber wie das meiste hier: sehr entspannend und ruhig.
Radfahren ist da natürlich auch nicht besonders anstrengend, die übrige Kraft kann man einfach in Geschwindigkeit investieren - wenn man keinen Gegenwind hat.